Veranstaltungshinweise

 

02.-04. Juni 2017 internationale Geckotagung

Pfingsten 2017 das erste Mal in der Schweiz!!!

Eintritt frei

 

 

13.-15. Oktober 2017 IGP Tagung;
Onkel Tom's Hütte, Göttingen

Eintritt frei, auch Nichtmitglieder sind herzlich willkommen

 

 

 

 

 

 

Krankheiten

Ich möchte an dieser Stelle bloss auf die wohl häufigsten Krankheiten (Unfälle) bei Phelsumen eingehen, wobei der Grundsatz vorbeugen ist besser als heilen gilt.

 

Festkleben: Grundsätzlich sollte vorsorglich darauf geachtet werden, dass keine klebende Flächen im Terrarium vorhanden sind. Falls ein Gecko dennoch mal entweichen sollte und zum Beispiel an einem Ettikettenrückstand kleben bleibt, hilft es, das Tier mit Speiseöl zu übergiessen. Der Gecko befreit sich so mit der Zeit selbst. Wenn sich das Tier herausgearbeitet hat, dauert es in der Regel nochmals eine Zeit, bis er das Klebematerial komplett los ist. Manchmal hilft es, ihn in ein Heimchendöschen mit nassem Haushaltspapier zu setzten. Auf keinen Fall sollte man mit irgendwelchen Chemikalien ans Werk.

 

Häutungsprobleme: Häutungsprobleme werden oft durch Staunässe oder Vitaminmangel hervorgerufen. Falls Häutungsprobleme bei eher trockener Haltung auftritt, kann die Luftfeuchtigkeit etwas angehoben werden, um das Häuten zu erleichtern (Haut weicht sich etwas auf). Unbedingt Vitaminversorgung überprüfen, da Häutungsprobleme oftmals mehr mit dem Vitaminhaushalt als mit der Luftfeuchtigkeit zu tun haben! Im schlimmsten Falle muss der Gecko in ein Döschen mit feuchtem Haushaltspapier gesetzt und evt. sogar mechanisch nachgeholfen werden. Häutungsprobleme können eine Nekrose zur Folge haben.

Phelsuma grandis mit Häutungsschwierigkeiten
Phelsuma grandis mit Häutungsschwierigkeiten


Kalksäcke: Kalksäcke stellen eine Kalziumreserve in dem dafür vorgesehenen endolymphischen Organ dar und sind in einem gewissen Masse normal. Falls sie zu stark ausgeprägt sind, empfiehlt sich eine Reduktion der Kalkgabe. Dies ist ein optischer Fehler, der das Tier jedoch nicht weiter behelligt.

Phelsuma grandis mit stark ausgeprägtem endolymphischem Apparat (Foto von daygeckofull, Geckosunlimited, herzlichen Dank)
Phelsuma grandis mit stark ausgeprägtem endolymphischem Apparat (Foto von daygeckofull, Geckosunlimited, herzlichen Dank)

 

Knickschwanz: Der Schwanz knickt komplett nach hinten. Dies ist nicht mehr zu richten, wird hervorgerufen wenn die Tiere zu fett sind und den Schwanz beim Schlafen nicht mehr halten können. Vorsorge: Nicht zu oft füttern!

Des weiteren gibt es Tiere mit seitlich geknickten Schwänzen. Dies kann auf Rachitis hindeuten, muss aber nicht. Die Ursache dafür ist nicht geklärt, mir fiel jedoch auf, dass wenn eines der Elterntiere einen solchen Schwanz aufweist, dies häufig bei deren Jungtieren ab Schlupf vorhanden ist. Deshalb sollte mit solchen Tieren nicht gezüchtet werden, auch wenn es sich "nur" um einen Schönheitsfehler handelt.

 

Nekrose: Ein Körperteil stirbt ab (wird schwarz und schrumpft zusammen/vertrocknet), wird nekrotisch. Dies breitet sich aus und führt letztlich zum Tod des Tieres durch Blutvergiftung. Falls der Schwanz betroffen ist, den Schwanz des Tieres ca einen halben Zentimeter kopfwärts von der betroffenen Stelle aus halten und hoffen, dass das Tier den Schwanz abwirft. Falls der Gecko den Schwanz nicht freiwillig abwirft, muss die Stelle abgedreht werden, auf keinen Fall geschnitten, da sonst kein Regenerat nachwächst. Wer sich das nicht zutraut, sucht lieber einen kompetenten Tierarzt auf. Dasselbe gilt beim Befall anderer Körperteile.

Ursache ist nicht vollständig geklärt, die entsprechende Körperstelle hat jedoch zu wenig Blut und entsprechend ungengügende Sauerstoffzufuhr.

Abschnürung, aufgrund von Häutungsproblemen oder Einklemmen kann ebenfalls zum Absterben eines Körperteiles führen, dieses Körperteil fällt normalerweise jedoch einfach ab und die Nekrose breitet sich nicht aus. Falls ein ganzes Bein eingeschnürt ist, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden, bei einer Schwanzspitze oder einer einzelnen Zehe sehe ich kein Handlungsbedarf.

Parasiten: Wildfangtiere tragen falls noch nicht behandelt immer Parasiten, doch auch Nachzuchten sind meistens Träger von Parasiten, wenn auch in wesentlich geringerem Ausmasse, so dass diese keinen Schaden anrichtet. Es wird zwischen Innen- und Aussenparasiten unterschieden. Bei Aussenparasiten handelt es sich meist um Blutmilben, welche als kleine, rote Punkte erkennbar sind. Diese Tiere können sich unter Terrarienbedingungen unnatürlich ausbreiten und zum Tode des Tieres führen. Mittels Dichlorvos haltigen Strips kriegt man diese weg. Doch hier ist Vorsicht geboten, da das Gift auch für die Geckos schädlich ist. Des weiteren dürfen die Strips niemals über dem Wasser hängen! Eine weitere Variante, welche ich zwar selbst noch nie getestet habe, sind Raubmilben, welche die Blutmilben fressen und wenn die weg sind, selbst wegsterben. Dies ist wohl die bessere Lösung, da keine Giftstoffe enthalten sind. Raubmilben können über den Zoofachhandel bezogen werden. Entscheidet man sich doch für den Giftstoff Dichlorvos, sollte Im Zweifelsfalle lieber ein fachkundigen Tierarzt konsultiert werden.
Schwieriger wird es bei Innenparasiten, diese stellt man meist nur mittels Kotproben fest und ein gewisses Mass an Innenparasiten ist auch normal. Es gibt jedoch Innenparasiten, zum Beispiel Würmer, welche man unbedingt behandeln sollte. Im Falle eines Innenparasitenbefalles ist es sinnvoll, das Vorgehen mit einem fachkundigen Tierarzt zu besprechen.

Wildfänge weisen oftmals Blutmilben auf
Wildfänge weisen oftmals Blutmilben auf

Rachitis/Osteomalzie: Knochenerweichung, häufig durch einen Kalzium und/oder D3 Mangel hervorgerufen. Bei Jungtieren spricht man von Rachitis, bei adulten Tieren von Osteomalzie.

Rachitis ist oftmals eine Folge von zu schnellem Wachstum und mangelnder Calcium/D3-Versorgung. Rachitis sieht man einem Jungtier leider oftmals erst an, wenn der Unterkiefer runter hängt und dem Tier nicht mehr geholfen werden kann. Ich hatte auch mit UV-Beleuchtung und D3-Supplementierung schon erkrankte Tiere, zum Glück eher selten.

Osteomalzietritt tritt häufig in der Eiablagephase der Weibchen auf und kann meiner Erfahrung nach auch durch Stress hervorgerufen werden. Falls nur ein Tier rachitisch ist, ist Vorsicht geboten, eine zu hohe Gabe der notwendigen Mineralien kann dem gesunden Tier schaden! Deshalb ist allenfalls eine Separierung nötig (gesundes Tier rausfangen).

Erste Anzeichen sind oftmals Knitterschwänze, gefolgt von einem Sattelrücken. Solche Tiere sollten mit (falls möglich natürlichem) UV-Licht versorgt werden und den Tieren sollte täglich ein mit Pulver vermischter Fruchtbrei zur Verfügung stehen.

 

 

Weibliche Phelsuma cepediana mit Osteomalzie
Weibliche Phelsuma cepediana mit Osteomalzie
Jungtier Phelsuma cepediana mit Rachitis
Jungtier Phelsuma cepediana mit Rachitis

Verbrennungen: Verbrennungen werden oftmals nicht als solche erkannt, da die häufigste Ursache UV Licht darstellt (Stichwort Sonnenbrand). Sofort UV-Quelle entfernen, evt. bei schweren Verbrennungen etwas Wundheilsalbe darauf. In schlimmen Fällen ist eine Blutvergiftung und der Tod des Tieres die Folge, deshalb lieber frühzeitig reagieren.

Phelsuma robertmertensi mit starker Verbrennung durch UV Strahlung
Phelsuma robertmertensi mit starker Verbrennung durch UV Strahlung
Dasselbe Tier ein paar Tage später
Dasselbe Tier ein paar Tage später

Verfettung: Verfettung ist eine der häufigsten Todesursachen bei Phelsumen und wird häufig unterschätzt. Massnahme weniger füttern und vor allem keine Wachsmottenlarven und anderes fetthaltiges Futter verabreichen.

Vergreisung: Falls ein Tier plötzlich abgemagert und eingefallen wirkt, obwohl es frisst, sehr alt aussieht, obwohl es sich um ein junges Tier handelt, dann handelt es sich um eine sogenannte "Vergreisung", es ist nicht restlos geklärt, worauf dies zurückzuführen ist, vermutlich handelt es sich um eine Stoffwechselstörung. Mittels gezieltem Verfüttern von Wachsmottenlarven und konsequentem Verzicht auf Drosophila habe ich solche Tiere meist wieder hingekriegt.

vergreiste, juvenile Phelsuma a. chekei
vergreiste, juvenile Phelsuma a. chekei

Verletzungen: Kleinere Verletzungen heilen relativ schnell. Ich empfehle bei kleineren Verletzungen nichts zu machen, bei grösseren Wunden macht es Sinn, einen reptilienkundigen Tierarzt zu konsolieren, jedoch nicht selbst zu beginnen die Tiere mit irgendwelchen Salben zu behandeln.

Achtung, Geckos können den Schwanz abwerfen, es wächst jedoch ein Regenerat nach, welches leider oftmals nicht mehr das gesamte Farbspektrum aufweist.

 

Trotz Narben von Revierkämpfen und Abwurf (Autotomie) einer Schwanzhälfte gesunde Phelsuma kochi
Trotz Narben von Revierkämpfen und Abwurf (Autotomie) einer Schwanzhälfte gesunde Phelsuma kochi

Kalziumüberversorgung: Wird einem Tier zu viel Kalzium verabreicht, was zum Glück selten vor kommt, lagert sich dieser unter anderem an den Füssen ab, das Tier kann nicht mehr an senkrechten Scheiben laufen und bildet eine Art Klumpfüsse aus, leider kann betroffenen Tieren nicht mehr geholfen werden und man sollte sie von einem Tierarzt erlösen lassen (wobei der bei der Gelegenheit gleich schauen kann, ob es nicht doch etwas Reparables ist). Ich hatte diesen Fall erst einmal, ironischerweise bei einem Zuchtweibchen.

Bezüglich Vitamin- und Kalziumversorgung ist es ein grosser Vorteil, wenn man ab der Pinzette füttert. So kann man einem Tier gezielt mehr oder hier eben weniger Vitamin-Kalziumpulver verabreichen.

Einlagerungen sind als weisse Punkte erkennbar und Finger können nicht mehr gestreckt werden (Tier läuft auf den Handrücken)
Einlagerungen sind als weisse Punkte erkennbar und Finger können nicht mehr gestreckt werden (Tier läuft auf den Handrücken)

 

Bei Unsicherheit oder anderen Krankheiten suchen Sie bitte einen fachkundigen Tierarzt auf! Grundsätzlich sollten kranke Tiere einzeln gesetzt werden, respektive das gesunde Tier aus dem Terrarium genommen werden, um dem kranken Tier den Stress zu ersparen. Frühzeitige Erkennung der Symptome erhöht die Chance auf Heilung enorm. Krankheitsursachen sollten so schnell wie möglich behoben werden.